Brasilien:
Internationales Erhaltungszuchtprogramm zum Schutz des Gelbbrustkapuziners
Der Gelbbrustkapuziner (Cebus xanthosternos; Foto: R. Wirth) ist eine
von mehreren Kapuzineraffen-Arten der Wälder der brasilianischen
Atlantikküste. Sie alle sind in unterschiedlichem Maße von der
Ausrottung bedroht. Von den atlantischen Regenwäldern in Brasilien,
die einst hundertausende Quadratkilometer bedeckten, sind heute je nach
Bundesstaat nur noch ca. 4 % erhalten. In Bahia sind es sogar nur noch zwei
Prozent, in denen die Teilpopulationen der Gelbbrustkapuziner in isolierten
und stark fragmentierten Restbeständen vorkommen. Die Art ist außer
durch die immense Zerstörung der Regenwaldgebiete auch durch Jagd und
Fang bedroht. Sowohl als Nahrungsquelle für die örtliche
Bevölkerung, als auch als Haustier sind die Affen beliebt. Dazu gesellt
sich ein neues Problem: Die verschiendenen Kapuzineraffenarten können
sich fruchtbar kreuzen. Ein als Jungtier niedliches Affenbaby kann im
Erwachsenenalter bissig und durchaus gefährlich werden, und so entledigt
sich Mancher gelegentlich seines nun unliebsamen Hausaffen im nächsten
Wald. Das ist zwar illegal, geschieht aber eben doch und gefährdet einige
Populationen der Geblbrustkapuziner zunehmend durch Bastardisierung.
Anfang der 1990er Jahre wurde ein Erhaltungszuchtprogramm zum Schutz des
Gelbbrustkapuziners vom Rio Primate Center mit Abschubfinanzierung durch
die ZGAP gegründet. Bald schloss sich der Zoo Mulhouse (Frankreich)
unter seinem damaligen Direktor Dr. Jean-Marc Lernould an; es folgten in
den nächsten Jahren neun weitere europäische Zoos. Im Jahre 1992
schließlich setzte das Brasilianische Institut für Umwelt und
erneuerbare natürliche Ressourcen (IBAMA) offiziell ein internationales
Komitee für das Zuchtprogramm und die Schutzmaßnahmen des
Gelbbrustkapuziners ein, das aus Vertretern nationaler sowie internationaler
Zoos und im Artenschutz tätigen Forschern besteht. Aufgrund seiner
Verdienste um die Rettung der Art wurde Dr. Lernould, der auch Mitgründer
und Vorsitzender der französischen Schwestergesellschaft der ZGAP, CEPA,
ist, zum Vizepräsident dieses Komitees berufen.
Um die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen effektiv zu erhöhen, fehlte
es allerdings lange Zeit an Informationen über die genaue Verbreitung
aller Restpopulationen und die Biologie der Gelbbrustkapuziner. Die Forschungs-
und Schutzmaßnahmen werden nun Jahr für Jahr ausgeweitet, und
koordiniert durch Dr. Lernould steuern neben CEPA und ZGAP auch die nun mehr
als ein Dutzend Zoos, die sich am Erhaltungszuchtprogramm für die Kapuziner
beteiligen, alljährlich Geldbeträge bei, um die Maßnahmen
in Bahia zu finanzieren. Besonderes Augenmerk gilt dabei den Kapuzinervorkommen
in den Schutzgebieten Conduru State Park und Una Biological Reserve. Die
gute Nachricht ist, dass der Bestand an Gelbbrustkapuzinern höher ist
als zu Anfang des Projektes befürchtet - momentan etwa 3.000 Tiere.
Die nächsten Schritte zum nachhaltigen Schutz des Gelbbrustkapuziners
sehen mehrere Maßnahmen vor. Erstens sollen mehr Vorkommensgebiete,
die im privaten Besitz von Farmern sind, als Schutzgebiete ausgewiesen werden.
Durch die Umwandlung von Farmland in Schutzgebiete werden Farmer von der
brasilianischen Regierung steuerlich begünstigt. Zweitens sollen die
ansässige Bevölkerung und die nationalen Institutionen für
den Schutz des Tieres weiter sensibilisiert werden. Zudem sollen nun auch
vermehrt Schutzmaßnahmen für andere bedrohte Kapuzineraffen-Arten
des atlantischen Regenwaldes anlaufen, insbesondere für den 2006 nach
fast 300 (!) Jahren wiederentdeckten Goldkapuziner (Cebus flavius).
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